TüftelLab TüftelLab Schulworkshop: “Wir brauchen kreatives Chaos” – Projektleitung Lea im Interview

Schulworkshop: “Wir brauchen kreatives Chaos” – Projektleitung Lea im Interview

Wie läuft ein Schulworkshop bei Junge Tüftler ab? Unsere Projektleitung und Mentorin Lea teilt ihre Einblicke und Erfahrungen.

Am Hauptbahnhof Hamburg ist so einiges los. Menschen tummeln sich wie kleine Fische auf den Gleisen und strömen in alle Richtungen. Unsere Mentorinnen Lea, Laura und Athina steigen mit drei voll gepackten blauen Koffern aus dem Zug, die keine Klamotten, sondern Werkzeuge, Laptops und ganz viel Tüftelmaterialien enthalten. Denn sie geben heute an einer von Hamburgs Katholischen Schulen einen Workshop zum “Leben unter Wasser”, welcher den Schülerinnen und Schülern Zukunftsthemen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Programmieren mit Tools wie dem Makey Makey näher bringen soll. 

Mentorin und Projektleiterin Lea gibt Einblicke darin, wie ein Schulworkshop abläuft, was sie immer wieder aufs Neue an Maker Education begeistert und warum Bürstenroboter eine große Rolle dabei spielen.

Theme Default Quote Lea

Lea

Mentorin und Projektleitung
Lernen ist nicht gleich Lernen. Die Art und Weise, Schülerinnen und Schüler durch kreative Impulse, fordernde Aufgaben und neue Werkzeuge wirklich mitzunehmen, schafft ganz neue Lernchancen.

Warum ist Maker Education so wichtig?

Making fördert die Kreativität und öffnet Kindern und Jugendlichen (und auch den ein oder anderen Erwachsenen!) ganz neue Fantasiewelten. Sie lernen, Probleme durch Entdeckungen zu lösen und sich von Rückschlägen oder Fehlern nicht entmutigen zu lassen.

Was ist für dich das Schönste daran, Schulworkshops zu leiten?

Für mich ist der tollste Moment jedes Workshops, wenn ich bei Teilnehmenden ein “aaah, achso!” höre! Es ist einfach unbeschreiblich, wenn ich merke, dass Kinder und Jugendliche auf ihre ganz eigene Art ein Problem lösen oder begreifen können. Wenn sie dabei ins Entdecken kommen und ich sehen kann, wie sie ganz eifrig werkeln und tüfteln und dabei ein breites Lächeln auf ihren Gesichtern auftaucht, macht mich das immer sehr glücklich und ich spüre: Genau darum mach ich das hier! 

Kinderhände Tüfteln In Einem Schulworkshop Mit Makey Makey. Überall Liegen Bastelmaterialien Verteilt.

Kannst du uns Einblicke in den Schulworkshop in Hamburg geben?

Wir haben verschiedene Impulse mitgebracht, die den Lernenden ein wenig Input zum Loslegen und eigenständigen Tüfteln bieten. Wir fangen immer mit einem WarmUp an, um die Schülerinnen und Schüler abzuholen und ihre Aufmerksamkeit für den Workshop zu fokussieren. Ich mag das Stromkreis WarmUp sehr gern, da es einen spielerischen Einstieg in das Thema bietet und die ganze Klasse engagiert. Nachdem alle schön die überschüssige Energie herausgelassen haben, sind wir zum theoretischen Input übergegangen und haben mit der Klasse über das “Leben unter Wasser” gesprochen, Ideen gesammelt und den Wissensstand gecheckt. Und dann ging es schon ans Tüfteln! Wir haben der Klasse das Tool des Workshops gezeigt, den Makey Makey, mit dem sie dann im Anschluss ihr eigenes sprechendes Poster zum Thema gestalten durften. Da sind so viele coole Plakate entstanden, bei denen ich richtig gemerkt habe, wie viel Lust und Spaß die Lernenden dabei hatten ein manchmal eher trockenes Thema wie Umweltschutz so kreativ umzusetzen. 

Dabei haben sie erste Berührungspunkte mit dem Schwerpunkt Programmierung bekommen und gemerkt, dass Gruppenarbeit gar nicht so langweilig und nervig sein muss. Vor allem die Mädchen haben sich sehr schnell für die technischen Aspekte des Workshops begeistert, haben sehr interessiert und engagiert mitgemacht und wollten gar nicht in die Pause gehen, sondern weiter an ihrem Plakat arbeiten (lacht). Daran merke ich auch immer wieder: Lernen ist nicht gleich Lernen. Die Art und Weise, Schülerinnen und Schüler durch kreative Impulse, fordernden Aufgaben und neuen Werkzeugen wirklich mitzunehmen, schafft ganz neue Lernchancen. Mir ist es immer wichtig ihnen zu vermitteln: Ich weiß, dass du das kannst, auch wenn die Aufgabe dich herausfordert.

Web Jungetueftlerinnen Stock Foto Andi Weiland 52
Web Jungetueftlerinnen Stock Foto Andi Weiland 48
Makey Makey 3 2026

Was sind deine größten Learnings aus den bisherigen Jahren

Ich komme ursprünglich aus dem künstlerischen Bereich und arbeite seit Langem auch als Kinderbuchillustratorin. In die Welt des Makings bin ich eher zufällig hineingestolpert, als ich spontan als Ersatz-Workshopleitung in einer Kreativwerkstatt eingesprungen bin und zusammen mit den Kindern Bürstenroboter gebaut habe (lacht). Die Kombination aus kreativer Arbeit und der Auseinandersetzung mit digitalen Tools hat mich direkt gepackt und mein Interesse geweckt. Ich wollte mehr davon!

Auch ich lerne quasi jeden Tag etwas Neues dazu und kann mich immer tiefer mit digitalen Techniken, Maker Ausstattung und Methoden auseinandersetzen. In jedem Workshop lerne ich etwas von den Teilnehmenden. Das funktioniert ja immer beidseitig und ist auch ein Kernaspekt beim Making. Ich bin nicht in der Position, dass ich Lernenden etwas direkt beibringe, sondern ich gebe lediglich Impulse, vermittle Erfahrungen und begleite den Prozess. Ich sehe immer wieder, wie Kinder und Jugendliche auf die verrücktesten Lösungswege kommen, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Jeder Mensch hat seinen eigenen Prozess, der ganz stark durch die Persönlichkeit und das Erleben in der Welt geprägt wird. Welche tolle Prototypen und Ideen daraus entstehen, ist jedes Mal aufs Neue so berührend und gibt mir viel Hoffnung und Mut für die Zukunft.

Wie würdest du eine Schule ausstatten, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Ich würde einen Makerspace oder Kunstraum mit vielen verschiedenen Tools, wie einem 3D-Drucker, Plotter oder Makey Makeys ausstatten und viele unterschiedliche Bastelmaterialien auf Lager haben. Ich finde es immer wieder schön, wenn man analoges mit digitalem verbindet. Zuerst was basteln, malen, kreieren und dann noch durch Programmierung, wie mit dem Makey Makey oder der Programmiersprache Scratch, zum Sprechen bringen. Ich mag es nicht so sehr, wenn Räume super aufgeräumt sind und kahl wirken. Wir brauchen kreatives Chaos, bunte Wände, (digitale) Prototypen, die die Welt zu einem besseren Ort machen und vor allem Kinder und Jugendliche mit vielen Ideen, die nur so aus ihnen heraussprudeln.

Calliope 2 2026
Fortbildung 1 2026

Was ist dein liebstes Maker-Tool?

Ich mag es am allermeisten, mit dem Calliope mini zu arbeiten, da es tausende Möglichkeiten gibt, das Tool beim Making einzusetzen. Auch wenn der kleine Mini Controller erstmal kompliziert aussieht, kann man ganz schnell Dinge ausprobieren, die Technik rund um Sensoren kennenlernen, LEDs zur Musik aufleuchten lassen oder Papproboter basteln und zum Leben erwecken.

Danke für deine Zeit, Lea!

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