Die Geräte sind bestellt und die Vorfreude auf die ersten kreativen Making-Projekte an Eurer Schule steigt. Aber wie richtet man den neuen Makerspace eigentlich am besten ein, damit viel Raum für Inspiration entsteht und trotzdem alle und alles einen Platz finden? Hier erfahrt ihr, wie sich die Gestaltung des Raums auf die Lernerfahrungen auswirkt und welche Rolle eine durchdachte Zonierung, eine clevere Materiallagerung und flexible Lösungen dabei spielen können.
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Wie die Gestaltung des Makerspaces die Lernerfahrung verändert
Bei der Einrichtung unseres eigenen Wohnraums versuchen wir durch Farbgebung, Raumgestaltung und Möblierung unseren eigenen vier Wänden sowohl eine konkrete Funktion als auch eine individuelle Note zu geben. Wir wollen uns wohlfühlen und eine persönliche Bindung zu unserem Zuhause aufbauen, in dem wir viel Zeit verbringen. Die durchdachte Aufteilung des Raumes hilft uns außerdem, uns darin zu orientieren. Beim Gedanken an Schulräume kommen wahrscheinlich den meisten von uns formidentische Tische und Stühle in einheitlichen Räumen in den Sinn, denn häufig bieten Klassenzimmer nur ein geringes Maß für Gestaltung und Individualisierung.
In den 1970ern prägte Loris Malaguzzi (1920 – 1994) den Begriff vom ‘Raum als dritten Pädagogen’ und verdeutlichte damit die Wichtigkeit der räumlichen Umgebung für die Lernerfahrung. Dabei spielen für ihn nicht nur Aspekte wie Raumaufteilung und -funktion eine Rolle, sondern auch die farbliche Gestaltung, die verbauten Materialien, die Einrichtung und Möglichkeiten zur Entfaltung.
In diversen Studien wurde der erhebliche Einfluss der Gestaltung von Lern- und Arbeitsräumen auf den Menschen in den Blick genommen – schließlich verbringen wir dort ähnlich viel Zeit wie Zuhause, warum sollten wir also nicht auch dort Wert auf Einrichtung legen, die über Zweckmäßigkeit hinausgeht?
Bei der Gestaltung von Lernräumen spielen also folgende Aspekte eine entscheidende Rolle:
- Farben können gezielt eingesetzt werden, um kreative Prozesse anzustoßen und strukturiertes und fokussiertes Arbeiten zu unterstützen.
- Die flexible Mitgestaltung der Umgebung erzeugt ein Gefühl von Freiheit und dadurch eine positive Auswirkung auf den Kreativprozess.
- Die Nutzung von natürlichen Materialien wie Holz, Lehm, Stein aber auch Pflanzen, natürliche Texturen und Lichtstimmungen reduzieren Stress, erhöhen die Wahrnehmungstiefe und fördern exploratives und assoziatives Denken.
- Technologie kann gezielt als unterstützendes Werkzeug für Kommunikation, Visualisierung und Dokumentation eingesetzt werden.
Gerade in einem Makerspace, in dem eigene Ideen entstehen und von einer Vorstellung zu einem realen Objekt heranreifen sollen, ist eine einladende, animierende und Orientierung gebende Raumgestaltung eine wichtige Grundlage für selbstständiges und partizipatives Arbeiten.
Zonierung bietet Orientierung
Beim Tüfteln können viele Dinge gleichzeitig stattfinden: Hier wird am Laptop programmiert, dort an der Nähmaschine gearbeitet und parallel startet jemand einen 3D-Druck. Um trotzdem den Überblick zu behalten, ist es hilfreich, den Raum optisch in Zonen aufzuteilen. Ob mobile Stellwände, die die Größe der verschiedenen Bereiche anpassbar halten, Vorhänge, die bei Bedarf auf- und zugezogen werden können oder gemalte Linien und unterschiedlich farbige Flächen auf Wand und Boden – welche Lösung sich für Euch am besten eignet, ergibt sich häufig schon aus der Raumgröße und den Bedarfen.
Wie immer beim Tüfteln gibt es nicht die eine Lösung, die für alle Räume funktioniert. Macht am besten erstmal eine Analyse, was in Eurem Makerspace wann, womit und mit wem stattfinden soll: Wieviele Personen sollen sich gleichzeitig im Makerspace aufhalten können? Braucht es immer eine Tischfläche oder kann der Ideenfindungsprozess auch an einer vertikalen Fläche wie einer Pinnwand oder Tafel stattfinden? Können Arbeitsflächen durch klappbare Module erweitert werden, wenn mehr Platz gebraucht wird? Müssen alle Maschinen jederzeit und parallel zueinander benutzt werden können?
Technik im Makerspace: mobil oder fester Standort?
Beachtet bei diesen Fragen auch die technischen Voraussetzungen der Tools: Während kleinere Technik wie Lötkolben oder Nähmaschine mobil und nach Bedarf in Betrieb genommen werden können, braucht ein Lasercutter einen festen Standplatz neben der Filteranlage. Mit einer durchdachten Zonierung könnt ihr auch festlegen, in welchen Bereichen Klebe- oder Schleifarbeiten stattfinden dürfen, um sensiblere Maschinen wie Stickmaschine oder 3D-Drucker zu schützen.
Raumeinrichtung als partizipatives Makingprojekt
Ihr sucht noch nach cleveren Lösungen zur Aufbewahrung von Tüftelmaterial im Makerspace? Wie wäre es mit 3D-gedruckten Haken für die Werkzeugwand oder mit dem Plotter geschnittenen Stickern fürs Regal, damit alle schnell erkennen wo was hingehört? Unser Tipp: Macht die Raumeinrichtung zum gemeinsamen Makingprojekt, an dem Lernende wie Lernbegleitende gleichermaßen beteiligt werden. Das bietet nicht nur die Chance zu einer frühzeitigen Identifikation aller Beteiligten mit dem Makerspace, sondern ist auch eine gute Gelegenheit kollaborative Ideenfindung zu etablieren und die neuen Makertools zu benutzen.
Den Makerspace im Schulgebäude sichtbar werden lassen
Um die selbstwirksamen Lernerfahrungen, die im Makerspace gemacht werden, nicht nur auf einen Raum im Schulgebäude zu beschränken, macht die Tüftelergebnisse über die baulichen Grenzen des Makerspace hinaus für alle sichtbar. Wenn an verschiedenen Orten in der Schule Produkte oder Problemlösungen auftauchen, die im Makerspace entstanden sind, rücken die vielfältigen Möglichkeiten mehr ins Bewusstsein. Die Motivation, selbst im Makerspace aktiv zu werden, steigt. Mit dem Calliope Mini könnt ihr zum Beispiel eine Lärmampel für Euer Klassenzimmer bauen, denn erwiesenermaßen hat der Geräuschpegel nicht nur Einfluss auf unsere Konzentrationsfähigkeit, sondern auch auf die Kreativität. Findet gemeinsam heraus, bei welcher Lautstärke sich alle in der Klasse wohl fühlen.
So können die Vorzüge der Maker Education nach und nach in andere Bereiche und in verschiedene Gelegenheiten des Schulalltags hineinwirken damit sich eine positive Fehlerkultur, Prozessorientierung und die Förderung von Kommunikation und aktiver Zusammenarbeit unter Schülerinnen und Schülern und im Kollegium etablieren.
Baut eine Lärmampel mit Calliope mini
Delightex (CoSpaces Edu)
Lernkarten: Delightex (CoSpaces) Grundlagen
Calliope mini
Schon mit einfachen Mitteln wie einer optischen Einteilung des Raumes in verschiedene Zonen, kann Klarheit und Struktur geschaffen werden. Das frühzeitige Einbeziehen aller Beteiligten in den Raumplanungsprozess, ermöglicht, dass der Makerspace seine multifunktionale Rolle später auch wirklich einlöst und trainiert den Kollaborationsmuskel. Um sich die Einrichtungsideen gegenseitig besser zu verdeutlichen, könnt ihr zur Einrichtungsplanung mit Delightex virtuelle 3D-Entwürfe Eures zukünftigen Raumsettings erstellen. Mobile Lösungen ermöglichen es, Tools auch mal außerhalb des Makerspace zu nutzen und so jeden Raum in der Schule zum TüftelRaum zu machen.
Quellenverzeichnis
Bauer, Wilhelm (Hrsg.), Pan, Yue & Rief, Stephan. (2019). Raumpsychologie für eine neue Arbeitswelt (225). Fraunhofer Verlag.